Interview Felix Scheel – freiberuflich tätig

Interview mit Felix Scheel (Dipl. Soz.Päd.)
langjährig freiberuflich tätig als Dozent für Schülervertretungsarbeit und faire Entscheidungsfindung in Gruppen
1.    Warum machst du Bildungsarbeit?
Meine Vorstellung von Gesellschaft ist, dass Menschen sie als etwas Veränderbares begreifen und deshalb selbst „Hand anlegen“. Allerdings nicht unbedingt in Parteien, sondern indem sie sich „von unten“ selbst organisieren. Deshalb arbeite ich in der Politischen Bildung und unterstütze Schülervertreter*innen und deren pädagogische Begleiter*innen dabei Schulen mehr zu Lernräumen, Wohlfühlorten bzw. Orten, an denen Umweltschutz, Geschlechtergerechtigkeit, Toleranz gelebt werden, zu machen.

 2.    Entspricht eine Auftragsanfrage den tatsächlichen Anforderungen oder inwiefern ändern Auftraggebende nach Vertragsabschluss die Konditionen?
Bei mir deckt sich das.
 
 3.    Wenn du dich krank fühlst oder bist – arbeitest du trotzdem? Und warum?
Leider schon. Letztes Jahr hatte ich einen Bandscheibenvorfall, der mich nach 1 1/2 Jahren immer noch beeinträchtigt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass ich danach gefühlt weiterarbeiten musste. Eine fest angestellte Kollegin von mir hatte ebenfalls einen Bandscheibenvorfall und war danach 3 Monate krank geschrieben. Das hätte bei mir 0 Euro bedeutet. Die Nicht-Absicherung im Krankheitsfall bei Selbstständigen ist bei den prekären Arbeitsbedingungen eine Katastrophe.
  
 4.    Beschreibe deine*n ideale Auftraggeber*in
Zahlt für eine Eintagesveranstaltung 600-800 Euro, es gibt ein Ausfallhonorar, die Arbeit wird wertgeschätzt.
 
 5.    Würdest du lieber angestellt arbeiten?
Von den Arbeitsbedingungen auf jeden Fall. Ich bin in die Selbstständigkeit „reingerutscht“, lebe meinen Idealismus damit und genieße es mich die ganze Zeit so inhaltlich weiterzuentwickeln wie es sich gerade richtig anfühlt. Das Drumherum hat mich aber nicht nur zu oben benannter Erkrankung, sondern auch mehrmals an die Grenze von Burnout geführt. Die Stichworte sind für mich: abgesicherter Krankheitsfall sowie angemessenes Arbeitsentgelt. Wenn ich mein Netto mit dem Festangestellter in der Bildungsarbeit vergleiche, liegt es deutlich drunter, was mich immer wieder auch sehr frustriert, weil meine Arbeit im Allgemeinen sehr gelobt wird
 
 6.    Wieviel Urlaubstage nimmst du dir im Jahr?
Beim Urlaub habe ich schon dazugelernt;) – und nehme mir mittlerweile 38 Urlaubstage pro Jahr. Allerdings arbeite ich auch öfter mal an Feiertagen.

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